Freitag, 25. November 2011
Rechte Gewalt: hinsehen, verfolgen, verhindern
Katholische Jugend warnt vor erneuter Verharmlosung.
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Quelle: BDKJ-Hessen

Berlin/Mainz, 24. November. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) warnt vor einer weiteren Verharmlosung rechtsextremer Gewalt in Deutschland. „Dass bei uns Menschen von Rechtsextremen gejagt, verletzt und getötet werden haben Staat und Politik zu lange übersehen und konsequent verharmlost“, so BDKJ-Bundesvorsitzende Ursula Fehling am Mittwoch in Berlin. „Es muss Schluss sein mit dem unerträglichen Wegsehen. Staatliche Behörden müssen konsequenter verfolgen, bestrafen und vor allem: helfen, zu verhindern.“

Der BDKJ begrüßt die fraktionsübergreifende Erklärung des Deutschen Bundestags. Nun müsse die Umsetzung folgen: „Präventionsprojekte müssen ausgeweitet und nicht gekürzt werden. Angebote gegen extremistische Gewalt brauchen eine langfristige und sichere Förderung“, erläutert Fehling. Jugendverbandsarbeit und kirchliche Jugendarbeit mache junge Menschen stark gegen Gewalt und extremistisches Gedankengut.

Dieses sei ein gesamt-gesellschaftliches Problem: „Menschenfeindliche Einstellungen gibt es auch in der Mitte unserer Gesellschaft. Umso wichtiger ist es, diesen in breiten Bündnissen entgegenzutreten“, so Fehling. „Die Morde der Rechtsextremen aus Zwickau sind schrecklich. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer. Gerade deswegen dürfen wir die Augen nicht davor verschließen, dass die Vorfälle nur die Spitze des Eisberges sind“, betont Fehling. Unterschätzt werde die Rolle weiblicher Neonazis. Der aktuelle Fall zeige: „Rechtsextreme sind nicht mehr nur Männer in Bomberjacken und Springerstiefeln. Frauen übernehmen eine tragende Rolle.“

Besonders Kinder und Jugendlichen würden in perspektivlosen Situationen von rechtsextremen Angeboten angesprochen. „Wo gute Angebote fehlen, nutzen rechtsextreme Gruppen das Vakuum“, so Fehling, die dabei beispielsweise auf strukturschwache Regionen im Osten verweist. Mehr Vertrauen in Demokratie und die sozialen Sicherungssysteme sei die beste Möglichkeit, Extremismus vorzubeugen.

Auch in Teilen der katholischen Kirche gebe es Fremdenfeindlichkeit. „Aber: Die christliche Botschaft und der gesellschaftliche Konsens über die Menschenrechte sind mit Rechtsextremismus unvereinbar. Menschenverachtung hat bei uns keinen Platz“, stellt Fehling klar. Politische Bildungsarbeit und Sensibilisierung von Leiterinnen und Leitern gehöre in den katholischen Jugendverbänden zum Standard. „Wir setzen uns für Demokratie, Toleranz und Vielfalt ein und handeln aus christlicher Überzeugung gegen Rechtsextremismus.“

Der BDKJ Diözesanverband Mainz ist nicht erst seit der Veröffentlichung der “Arbeitshilfe COURAGE! Für Vielfalt und Toleranz“ sondern bereits seit langem aktiv in der Sensibilisierung seiner Verantwortlichen für Demokratie und Toleranz wie auch im Bereich der Bildungswochen innerhalb der Freiwilligen Sozialen Jahres, arbeitet aktiv mit im Netzwerk für Demokratie und Courage (NDC) und ist darüber hinaus Mitglied im hessischen Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus.

Deutlich spricht sich der BDKJ DV Mainz gegen die so genannte Demokratieerklärung des Bundesministeriums für Familie Frauen und Senioren aus. Seit dem vergangenen Jahr müssen Institutionen, die Fördermittel des Bundes für Projekte zur Förderung der Demokratie beantragen, eine Klausel unterschreiben. Darin sollen sie garantieren, dass sie weder selbst extremistisch agieren, noch mit extremistischen Organisationen zusammenarbeiten. Nach Ansicht des BDKJ stellt diese Praxis die Initiativen unter einen Generalverdacht, die besonders aktiv für die Demokratie und die Gesellschaft sind. Zudem seien Jugendverbände seit Jahren hoch anerkannte Träger von Programmen zur Stärkung des demokratischen Bewusstseins. Diese erfolgreiche Arbeit konterkariere die „Demokratieerklärung“. 

 

Der BDKJ ist Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden und -organisationen mit rund 660.000 Mitgliedern. Dem BDKJ des Bistums Mainz gehören neun Verbände und

17 Dekanate mit rund 15.000 Mitgliedern an. Er vertritt die Interessen von Kindern, Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen in Politik, Kirche und Gesellschaft.

 Download der Arbeitshilfe: http://downloads.bistummainz.de/1/56/1/31218056492332267150.pdf

Jugendarbeit im BDKJ

Rund 30.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Hessen engagieren sich ehrenamtlich in der katholischen Jugendarbeit. Die unterschiedlichen Jugendverbände und Gruppen gestalten ihre Arbeit selbstbestimmt, demokratisch und am Evangelium Jesu Christi orientiert.

Zum BDKJ Hessen gehören die Diözesanverbände Fulda, Limburg und Mainz.